Die Kirche in Mettendorf besaß einst eine große und schwere Glocke, auf deren schönen vollen Klang die Leute nicht wenig stolz waren.

Als der Kaiser Napoleon auf seinem Kriegszug nach Mettendorf kam, ließ er die schwere Glocke aus dem Turm herunterholen. Er wollte Kanonen daraus machen lassen. Die Soldaten zwangen einen Fuhrmann, die Glocke auf seinem Wagen nach Neuerburg zu bringen, wo sie umgegossen werden sollte.

Den Fuhrmann verdroß es sehr, daß das gesegnete Metall von nun an nicht mehr zum Dienste des Herrn rufen, sondern Tod und Verderben unter die Menschen speien sollte. Auch hätte er gerne die schöne Glocke der Mettendorfer Kirche erhalten. Als er nun oberhalb Niederraden an eine große Moorwiese kam, schob er die Glocke mit aller Kraft vom Wagen. Der Wiesenboden gab nach, und langsam versank die Glocke in dem tiefen Morast. Dann kehrte der Fuhrmann nach Hause zurück.

Die Soldaten entdeckten jedoch, daß die Glocke nicht abgeliefert worden war. Der Fuhrmann wurde vor Gericht gestellt und erschossen.

Als der Friede geschlossen war, versuchten die Mettendorfer die Glocke wieder zu heben. Da sie jedoch zu tief gesunken war und der Fuhrmann vor seinem Tode nur eine ungenaue Lage hatte angeben können, war all ihr Suchen vergebens. In ruhigen Sommernächten wollen Wanderer tief aus dem Sumpf einen dumpfen Glockenklang vernommen haben. "Damit soll die Glocke die Menschen rufen, sie aus ihrer Dunkelheit zu erlösen und wieder in den Dienst Gottes zu stellen", sagen die Leute.

©  Hans Theis, Neuerburg 

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