In meiner frühesten Jugend waren Autos in unserem Dorf noch eine große Seltenheit. Jedes einzelne wurde deshalb von uns Kindern gehörig bestaunt und begutachtet.

Wir kannten sehr bald die speziellen Eigenarten der wenigen Typen. Besonders angetan hatte es uns das kleine knallrote Wägelchen eines Neuerburger Geschäftsmannes, der mit Handelsgütern regelmäßig ins Dorf kam. Es war allein schon ergötzlich zuzuschauen, wie er sich jedesmal im Schweiße seines Angesichtes mühte, mit Hilfe einer Kurbel den Motor in Bewegung zu setzen.

Als wir eines Tages aus der Schule kamen, hatte der Mann gerade in der Dorfmitte mit dieser Prozedur an seinem Auto begonnen. Wir schauten andächtig zu, enthielten uns aber jeder Stellungnahme, da wir das Temperament des Mannes kannten. Schließlich knatterte der Motor los, und der Kaufmann stieg aufatmend in den Wagen.

Wir aber schlichen unbemerkt nach hinten und hoben in stillschweigendem Einvernehmen den Wagen leicht hoch. Der Mann hatte inzwischen Kupplung und Gang betätigt, doch die Hinterräder drehten sich nicht am Boden, sondern mit bemerkenswerter Geschwindigkeit in der Luft. Der Fahrer wurde offenbar nervös. Er hantierte an einigen Hebeln, schaute aber dann ahnungsvoll nach hinten.

Er entdeckte alsbald uns und unsere Untat. Sein Gesicht verzog sich jäh. Die Stirnrunzeln und die rollenden Augen erschreckten uns derart, daß wir das Hinterteil des Wagens unversehens fallen ließen. Mit einer unglaublichen Geschwindigkeit war der Wagen verschwunden -und zwar in den Garten auf der anderen Seite der Straße. Wir sind damals vermutlich schneller gelaufen als jemals später bei einem Sportfest.

©  Hans Theis, Neuerburg