Hans Theis
"Wir bergen die Ernte" so lautet der Titel eines Buches, das die Heimatdichter des Trierer Landes im Jahre 1959 veröffentlicht haben.

Der Leser findet eingereiht in das Autorenteam mit so bekannten Namen wie Wilhelm Hay, Matthias Lang, Bernhard Lemling, Cläre Prem, Peter Freppert und vielen anderen auch den damals noch jungen Eifel- und Heimatfreund Hans Theis aus Neuerburg, der mit seiner humorvollen Sage: "Die letzte Gunst", einen beachtlichen Beitrag für dieses Werk lieferte. Noch heute wird diese Sage wegen der sprachlichen Ausdruckskraft und der ureigenenen Gestaltungsweise immer wieder gerne erzählt.

Obwohl eine heimtückische Krankheit dem unermüdlichen Schaffen des Neuerburger Heimatdichters im Jahre 1975 allzufrüh ein jähes Ende setzte, begegnet dem Leser der Eifelliteratur eine unüberschaubare Menge von Geschichten, Sagen, Anekdoten, Schnurren und geschichtlichen Abhandlungen. Darüber hinaus entdeckt er im Hause Theis noch zahlreiche unveröffentlichte Manuskripte.

Wer kennt schon alle seine ausdrucksvollen und von der Liebe zu der Eifel und den dort wohnenden Menschen geprägten Geschichten, die meist mit einem gehörigen "Schuß" Humor gewürzt sind?

Schon sehr früh ging sein Engagement über die Familie und den Beruf hinaus und erfaßte nach und nach ein breites Feld in der Öffentlichkeit. "Immer galt sein Wirken dem Nächsten, dem Mitmenschen", so würdigte Verbandsbürgermeister Werner Theisen in seiner Grabrede das aufopferungsvolle Tun des eifrigen Streiters für Neuerburg und die Eifel. In unermüdlicher Schaffenskraft, mit zähem Fleiß, unendlicher Geduld und grenzenloser Güte ging er an die Arbeit. Er handelte nicht blindlings. Die ihm verliehene Gabe der Weisheit wußte er geschickt und klug, wie ein Stratege, einzusetzen. Dabei hatte er die Gabe, Bündel von Gedanken und Fakten systematisch zu ordnen und sie in wenigen Sätzen für alle klar und übersichtlich darzutun. Sein Wirken war getragen von einer tiefen Liebe zur Heimat.

Als Rektor der Grund- und Hauptschule Neuerburg gab er immer wieder wertvolle Impulse zur schulischen Neuorientierung und betrieb mit Leidenschaft die Verwirklichung des Neuerburger Schulzentrums. Er war ein Schulmann mit Leib und Seele, der sich selbst auch gern als pädagogischen Handwerker bezeichnete und sich stets um eine feste religiöse Basis mühte. Die Schüler liebten ihren Lehrer Hans Theis, der sich in seinem lebhaften, heimatbezogenen Unterricht gern von starren Vorgaben löste.

Die Kollegen erlebten ihn als verständnisvollen Freund, und vielen Junglehrern vermittelte er als erfahrener Fortbildungsleiter das Rüstzeug für einen erfolgreichen Start in den Lehrberuf.

Den Eltern war er ein aufgeschlossener und verantwortungsbewußter Partner in allen Bildungs- und Erziehungsfragen.

Als dem Erzieher fast zwangsläufig aufgegebene Arbeit betrachtete Rektor Theis die Tätigkeit im Volksbildungswerk, dessen Aufbau er im Kreis Bitburg-Prüm nach dem Kriege maßgeblich von der ersten Stunde an forcierte.

Im kulturellen Bereich war Hans Theis ebenfalls mit großem Einsatz tätig. Über viele Jahre führte er den Männergesangverein Neuerburg als Vorsitzender und fungierte auch mehrere Jahre als Kreisvorsitzender der Männergesangvereine. Auch das bekannte und beliebte gemeinsame Konzert der Neuerburger Vereine, das mittlerweile auf eine über 25-jährige Tradition zurückblickt, geht auf seine Initiative zurück.

Im kirchlichen Bereich wirkte Hans Theis von Anfang an im Pfarrgemeinderat.

Hans Theis zählte zu den Persönlichkeiten, die sich auch im kommunalen und politischen Bereich engagierten. Als eifriger Kämpfer für die Westeifel war er ständig um das Wohl der Bürger im Kreis Bitburg-Prüm bemüht und stellte sein politisches Engagement in verschiedenen Gremien, in denen er mitwirkte, zur Verfügung: im Kreisausschuß, im Kreistag, im Verbandsgemeinderat, im Stadtrat und in verschiedenen Vorständen der CDU.

Ein besonderes Anliegen bedeutete ihm die Verschwisterung der Stadt Neuerburg mit luxemburgischen, belgischen und französischen Städten.

Alle diese Verdienste fanden eine besondere Würdigung durch die Verleihung des Bundesverdienstkreuzes am Bande.

Für die Freunde des Eifelvereins ist es von besonderer Bedeutung, daß sich der Neuerburger Heimat- und Geschichtsforscher Hans Theis auch in der großen Familie des Eifelvereins und in seiner Ortsgruppe durch seine zahlreichen Veröffentlichungen und Aktivitäten einen unvergeßlichen Namen gemacht hat. Seiner Initiative ist der monatliche Vereinsbrief zu verdanken, der sich größter Beliebtheit erfreut und ein Band schließt zwischen den Bürgern von Neuerburg zu Hause und in der Fremde.

So lag es für mich natürlich nahe, für den Neuerburger Schulmeister und Eifelvereinsfreund, für meinen ehemaligen hochverehrten Rektor Hans Theis, zum hundertjährigen Jubiläum des Eifelvereins, in dem er so aufopferungs- und liebevoll gewirkt hat, seine "Ernte zu bergen", um damit die Menschen der Eifel und ihre Besucher zu erfreuen.

Mit Hochachtung und tiefer Wertschätzung stehe ich vor seinem umfassenden Werk und bin heute besonders angetan und erfüllt von seinem beispielhaften Optimismus, von seiner ausgleichenden und gewinnenden Art und seinem unermüdlichen Einsatz für die Eifel, in die er sich eingebettet fühlte.

Doch lassen wir ihn hierüber in seiner offenen und ehrlichen Art in dem Buch »Wir bergen die Ernte« selber sprechen:

"Hätte ich mir Geburtsort und Heimat auswählen dürfen, so wäre es zweifelsohne bei Niederraden und der Eifel geblieben. Das Hineingestelltsein in die schöne Eifellandschaft und einen bäuerlichen Arbeitskreis möchte ich heute weit weniger missen als in meinen Kinderjahren. Doch genau so wenig dürften jene Jahre meiner Jugendzeit fehlen, die ich als Gymnasiast in dem Missionshaus der Steyler Missionare in St. Wendel verbringen durfte. Die Ausgewogenheit der Kinder- und Jugendzeit gab mir den nötigen Halt, als Intoleranz und Größenwahn mich vom liebgewordenen St. Wendel vertrieben und mir letztlich auch die Heimat durch den Krieg vorenthielten. Ich habe die Uniform nie geliebt, was Wunder, wenn mein höchster Dienstgrad Obergefreiter war. Aus einer augenblicklichen Veranlassung heraus ergriff ich nach kurzer Kriegsgefangenschaft den Beruf des Lehrers, mit dem ich mich aber nach zehnjähriger Tätigkeit mehr denn je verbunden fühle. Ich betrachte es auch als einen Gunstbeweis unseres Herrgottes, daß mir nach dem Studium an der Pädagogischen Akademie in Bad Neuenahr eine Schulstelle in Neuerburg zugewiesen wurde. Hier konnte ich wieder heimatliche Wurzeln schlagen, und das alte, etwas verträumte Eifelstädtchen umfängt mich mit der Ruhe, die ich so sehr liebe, strahlt aber auch jene Kräfte aus, die ich für meine berufliche und außerberufliche Arbeit benötige."
Als eine außerberufliche, dem Erzieher fast zwangsläufig aufgegebene Arbeit, betrachte ich die Tätigkeit, von der ich unter dem mir etwas vermessen erscheinenden Titel "dichterisches Schaffen" noch berichten soll. Meine Betätigung als Amateurjournalist gehört zwar nicht hierher, aber sie war Veranlassung, es auch auf anderen literarischen Gebieten zu versuchen. Zu meinem eigenen Erstaunen nahm man mir die Geschichten, Anekdoten, Erzählungen und geschichtliche Reminiszenzen gerne ab, weshalb ich seit einigen Jahren zu den Mitarbeitern verschiedener Kalender, Zeitschriften und Zeitungen gehöre. Ich bekam mit dem Rundfunk Kontakt; hier debütierte ich mit einer halben Stunde "Westeifeler Spukgeschichten''.

Ich vermute, zum richtigen Poeten fehlt mir nicht nur die Zeit, sondern auch das Talent. Doch möchte ich auch weiterhin nach besten Kräften mein bescheidenes Können für die Pflege des Heimatgedankens einsetzen."

 
Bescheiden, sich selbst nie in den Mittelpunkt stellend, hat er mit Blick für das Wesentliche unbeirrt die Interessen der Eifelheimat wahrgenommen. Vielleicht war ihm deshalb so mancher Erfolg beschert, weil er der Sache nicht nur seine Kraft, sondern auch sein Herz verschrieben hatte und auch dann zäh am Werk blieb, wenn der Erfolgshorizont einmal grau verhangen schien.

Mit seiner menschlich angenehmen Art versuchte er durch Überzeugung seine Gesprächspartner für die Anliegen und Erfordernisse seiner Heimat zu gewinnen.

Und selbst wenn Hans Theis zur journalistischen Feder griff und in treffsicheren Formulierungen und geistreichen Glossierungen die Probleme ansprach, so hat die Lektüre seiner Artikel bei den Angesprochenen immer eher besinnlich als verletzend gewirkt.

Regierungsschuldirektor Karl Josef Schmidt charakterisierte das schriftstellerische Schaffen von Hans Theis an seinem Grabe so: "Unter seiner Feder wird die Eifeier Natur lebendig. Er schreibt vom Schweiß und den Schwielen des ländlichen Menschen, von Kreuz und Krieg, von Not und Tod, von der klagenden Liebe des einzelnen, von der lebendigen dörflichen Gemeinschaft, von Beten und Bangen, vom Feiern und vom Feierabend, von den besinnlichen Stunden im Eifeldorf, von Brauchtum und Sitte. Er apostrophierte Schelme und Käuze. Bei ihm wird deutlich, was Frohsinn bedeutet, da er selbst über viel Humor verfügte."

Ich darf Sie, liebe Hans Theis-Freunde, einladen, sich gemütlich zurückzulehnen, den Wölkchen aus seinem "Kloof" nachzuträumen und seinen Geschichten zu lauschen.

Viel Vergnügen!

Willi Hermes   
Herausgeber

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